Das Kükentöten geht vorerst weiter

Eintagsküken

Mit Spannung wurde das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erwartet. Dürfen männliche Küken weiterhin wegen wirtschaftlichen Interessen getötet werden? Die Verwaltungsrichter sehen darin keinen vernünftigen Grund und berufen sich auf das Tierschutzgesetz. Dennoch geht das Kükentöten übergangsweise weiter. Bis Alternativen zur Verfügung stünden, sei die umstrittene Praxis rechtmäßig. So lautet das Urteil aus Leipzig.

Die Entscheidung, kein sofortiges Verbot für das Kükentöten zu verhängen, begründet das Gericht in einer Pressemitteilung: „Die bisherige Praxis wurde allerdings – ausgehend von einer damaligen Vorstellungen entsprechenden geringeren Gewichtung des Tierschutzes – jahrzehntelang hingenommen. Vor diesem Hintergrund kann von den Brutbetrieben eine sofortige Umstellung ihrer Betriebsweise nicht verlangt werden.“

Das Urteil ist ein herber Rückschlag für Tierschützer. Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, bezeichnet das Urteil als „tierschutzpolitische Enttäuschung“. Die SPD stellt dem Landwirtschaftsministerium ein Armutszeugnis aus. Es sei nicht gelungen, praxisreife Alternativen auf den Weg zu bringen.

Ein konkreter Zeitpunkt für das Ende des Kükentötens ist weiterhin nicht bekannt. Auch ist unklar, wie der Umstellungsprozess gestaltet werden soll. Nun ist Agrarministerin Julia Klöckner gefordert.

Jährlich werden 40 Millionen Küken in Deutschland getötet, da sich ihre Aufzucht für die Betriebe nicht lohnt. Allein 15 Millionen Küken werden in der Brüterei LSL Rhein-Main in Dieburg getötet.

Quelle: Tagesschau.de, dpa

Helden der Rehkitzrettung

Natur & Tier🌳

Wenn die Landwirte zwischen April und Juni ihre Felder mähen, besteht die Gefahr, dass sie Tiere wie Rehkitze überfahren und töten. Denn zu dieser Zeit bringen die Wildtiere ihre Jungen zur Welt, die gerne Schutz in den hohen Gräsern der Felder suchen. Viele Landwirte setzen auf Rehwildscheuchen, Hunde oder sogar Drohnen, um die Felder zu überwachen und die Tiere zu vertreiben. Trotzdem können die Rehkitze im hohen Gras übersehen werden. Um den Tieren zu helfen, versammeln sich freiwillige Helfer, die sich auf die Suche nach den Tieren machen. Eine Reichelsheimer Gruppe ist jedes Jahr aktiv und rettet die Rehkitze vor dem Tod. Annette Pfeil vom Organisationsteam der Reichelsheimer Helfergruppe hat uns zu diesem Thema ein paar Fragen beantwortet.

Wie viele Leute braucht und seid ihr bei einer Rettung?

Meist informiert uns der Jäger, wie viele Helfer er braucht, um die Fläche abzusuchen, die der Landwirt mähen möchte.
Bei vielen Einsätzen suchen 8-10 Leute die Wiese ab, manchmal gehen wir in mehreren Gruppen und sind auch mal mit 30 – 40 Helfern auf den Wiesen unterwegs. An manchen Tagen sind wir weniger Helfer, als wir eigentlich bräuchten. Dann dauert der Einsatz länger oder wir schaffen es nicht, alle Wiesen gründlich abzusuchen. 

Wie viele Tiere rettet ihr an einem Tag?

Das ist immer unterschiedlich. Mal keins, mal 2-3 und manchmal auch über 10. Unser Ziel ist es, dass möglichst kein Kitz verletzt oder getötet wird. Wenn dann kein Kitz in der Wiese liegt, dann sind wir eigentlich froh, dass wir keines stören und erschrecken mussten. Aber natürlich ist es auch einfach sehr berührend so ein kleines Reh zu entdecken und das gute Gefühl zu haben, dieses Leben gerettet zu haben.

Wie findet ihr die Tiere?

Wir „durchkämmen“ die Wiese quasi zu Fuß und systematisch: Gehen hin und her und hin und her, bis die gesamte Fläche abgesucht ist. Die Gruppe geht in einer Reihe und nebeneinander durch die Wiese. Die Abstände voneinander sind so gewählt, dass jeder „seine Spur“ gut einsehen kann und dann suchen wir mit ständigem Blick zum Boden, ob wir da ein kleines Kitz unter dem Gras verborgen finden. Manchmal ist die Wiese sehr dicht oder das Gras sehr hoch, dann gehen wir eng und langsam. Manchmal ist die Wiese aber auch lichter, dann ist es leichter ein Kitz zu entdecken. Wir setzen auch unsere Drohne mit Wärmebildkamera ein, warnen aber vor übertriebener Technikgläubigkeit. Die Drohne kann nicht bei jedem Wetter und in jedem Gelände eingesetzt werden und ein Wärmebild zuverlässig lesen zu können, will geübt sein. 

Wie nähert ihr euch den Tieren?

Sobald jemand ein Kitz entdeckt, tritt er 1-2 Schritte zurück und hebt die Hand. Die anderen Suchenden merken das recht schnell und bleiben auch stehen. Am besten nähert man sich dann dem Kitz nicht weiter, sondern bleibt zurück, ruhig und leise und mit viel Abstand. Damit das Kitz nicht unruhig wird und doch wegspringt. 

Worauf muss man bei der Rettung achten?

Kleine Kitze haben einen Drückreflex, sie bleiben bei Gefahr liegen und drücken sich an den Boden. Auch wenn sie da so scheinbar ruhig liegen, sind sie in einer absoluten Stresssituation. Sie wissen ja nicht, dass wir sie gerade vor einem Mähwerk retten. Darum bitten wir die Helfer immer sehr ruhig zu bleiben – auch wenn man total überwältigt ist und vor Freude am liebsten laut jubeln möchte, weil das kleine süße Kitz da vor einem liegt… Viele möchten auch Fotos machen, verständlich, aber das ist alles Stress für das Kitz und die Mutter, die das oft aus der Ferne beobachtet. Und dann soll das Kitz möglichst keinen menschlichen oder anderen fremden Geruch annehmen. Zum Sichern wird es darum dick in Grasbüschel gepackt, das übernehmen bei unseren Einsätzen die Jäger oder sehr erfahrene Helfer. 

Die Reichelsheimer Rehkitzretter auf der Suche nach verschreckten Rehkitzen

Wohin bringt ihr die Tiere, nachdem ihr sie gerettet habt?

Das Kitz wird zunächst an einen sicheren Platz in der Nähe abgelegt, wo nicht gemäht wird. Möglichst im Schatten und etwas versteckt. Eine hölzerne Obstkiste wird dann darüber gesetzt und mit Stäben oder einem schweren Stein befestigt. Nach der Mahd nehmen wir die Kiste ab und bauen, falls nötig, aus Gras noch etwas Sichtschutz für das kleine Kitz. Sobald wir uns entfernt haben und wieder Ruhe einkehrt, finden sich Mutter und Kind dann wieder. 

Was macht ihr, wenn die Tiere von euch weglaufen?

Ja, Rehe sind Fluchttiere und wenn die Kitze etwas größer werden, dann ist es ganz natürlich, dass sie sich vielleicht erst noch lange an den Boden drücken und dann im Moment, in dem sich der Mensch nähert, doch wegspringen. Das ist immer eine schwierige Situation. Wenn es geht, treiben wir das Kitz ins Nachbarfeld oder in den Wald. Aber das gelingt nicht immer. Oft springt es wieder in die Wiese. Mit Glück sehen wir, wo das Kitz ungefähr ist. Wenn nicht, müssen wir vielleicht die ganze Wiese neu absuchen, weil man einfach nicht genau weiß, wo sich das Kitz schließlich abgelegt hat.
Aber der Mähtermin rückt näher, der Zeitdruck steigt und man wird vielleicht nicht fertig mit der Suche. Das wäre fatal. 

Fragt ihr vorher die Besitzer der Wiesen und Felder, wann sie mähen, oder macht ihr das auf gut Glück?

Basis für unsere Erfolge bei der Rehkitzrettung, ist eine gute Zusammenarbeit von Landwirt, Jäger und Helfergruppe. Idealerweise sagt der Landwirt dem Jäger frühzeitig Bescheid wann er mähen möchte und der Jäger informiert uns und entscheidet, wie er den Einsatz gern gestalten möchte. In Reichelsheim unterstützen freiwillige Helfer die Jäger schon seit über 10 Jahren bei der Suche. In einigen Revieren sind wir ein sehr eingespieltes Team, das einander vertraut und gemeinsam durch Dick und Dünn geht. Das spricht sich rum und so werden wir immer wieder von anderen Jägern oder Landwirten gefragt, ob wir auch bei ihnen unterstützen möchten. Aber natürlich gibt es auch immer noch viel zu viele Wiesen die, aus welchen Gründen auch immer, vor der Mahd nicht wirklich abgesucht werden. Das ist furchtbar. Es gibt verschieden Möglichkeiten, wie und wann gesucht werden kann. Wir setzen auch technische Hilfsmittel ein: Eine Drohne mit Wärmebildkamera bringt die besten Erfolge am frühen Morgen. Die Kitze sind warm, die Erde noch kühl. Das kann man dann auf dem Wärmebild gut erkennen. Oder sogenannte Kitzretter, die machen Krach und Blinken, das soll die Rehe davon abhalten, in diese Wiese zu gehen. Die kann man schon am Vorabend vor der Mahd einsetzen. 

Was macht man als Spaziergänger, wenn man man irgendwo ein Rehkitz findet? 

Gar nichts. Am Besten zieht man sich sofort ruhig und leise wieder zurück.
Kitze liegen natürlicherweise alleine und im Wald oder Wiese versteckt. Die Mutter kommt nur zum Säugen vorbei, ganz sicher nicht, solange Menschen, Hunde oder andere Störungen in der Nähe sind.
Nur verletzte oder sicher verwaiste Kitze brauchen Hilfe. Wenn man sich nicht sicher ist, ob ein Kitz Hilfe braucht, kann man bei einer Wildtierhilfe oder dem zuständigen Jäger nachfragen, bevor man in irgendeiner Weise eingreift.
Ganz wichtig ist es auch Hunde in der Brut- und Setzzeit an die Leine zu nehmen, damit sie kein Kitz oder anderes Wild aufscheuchen oder gar verletzen. 

Wie kann man bei euch mithelfen?

Einfach melden. Wir brauchen dringend mehr Helfer um alle Einsätze abdecken zu können.
Wir informieren unsere Helfer über einen bevorstehenden Termin in unserer Whats App Gruppe alternativ per Mail oder SMS Verteiler. Wer Zeit hat sagt zu und läuft mit. Außerdem stehen die Termine immer auf unserer Homepage und unserer Facebook-Seite. Unsere Kontaktdaten und ein Kontaktformular findet man auf www.rehkitzrettung- reichelsheim.de
Unser Orga Team ist telefonisch in diesem Jahr unter 0151 52112957 erreichbar oder per Mail an kitzrettung@gmx.de .

Quellen: https://kitzrettung-hilfe.de, https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/reichelsheim/schutzengel-der-reh-kinderstube-reichelsheimer-gruppe-rettet-junge-wildtiere_18798763 , http://www.rehkitzhilfe.de/AllgInfo.htm

So kämpft der Tierschutzbund gegen das Kükentöten

Eintagsküken

Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes spricht bei uns im Interview unter anderem über den aktuellen Stand im Kampf gegen das Kükentöten und erklärt, was Verbraucher tun können, um das Ende des Kükentötens zu fördern.

Wie setzt sich der Tierschutzbund konkret ein, um das Kükentöten zu stoppen?

Wir setzen uns schon viele Jahre für ein Ende des Kükentötens ein, klären die Öffentlichkeit auf und richten unsere Forderungen direkt an die verantwortlichen Politiker*innen. Das zeigte z.B. auch 2013 Erfolg, als die nordrhein-westfälische Landesregierung Brütereien mit einem Erlass die Kükentötung untersagte. Diese jedoch reichten Klage ein und bekamen Recht – in erster Instanz und auch in zweiter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Münster, wo wir mit einer Protestaktion ebenfalls vor Ort waren. Der Kampf dauert also an.

Welche Maßnahmen wünschen Sie sich dabei von der Regierung?

Die Bundesregierung hat in den letzten Legislaturperioden versagt und ist das Thema Kükentötung überhaupt nicht angegangen. Die aktuelle Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie das Töten der Küken bis zur Mitte der Legislaturperiode beenden will. Es wird jetzt also Zeit! Derzeit setzt die zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner auf eine rein technische Lösung: die Geschlechtsbestimmung im Ei. Klar muss aber sein, dass diese nicht das grundsätzliche Problem löst, nämlich die extrem spezialisierte Zucht auf Lege- bzw. Mastleistung bei den Hühnern und die damit verbundenen Tierschutzprobleme. Als langfristige Lösung muss die Politik daher eine Rückkehr zu Zweinutzungshühnern forcieren.

Protestaktion: Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes protestieren vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster. © Deutscher Tierschutzbund e.V.

Wie sieht der aktuelle Stand aus? Ist ein Ende des Kükentötens absehbar in nächster Zeit?

Der nächste wegweisende Schritt bei dieser Frage wird die Verkündung eines Urteils durch das Bundesverwaltungsgericht Leipzig sein, mit der am 13. Juni zu rechnen ist. Eventuell entscheidet das Gericht, dass die Tötung von Eintagsküken aus wirtschaftlichen Beweggründen keinem „vernünftigen Grund“ entspricht, wie ihn das Tierschutzgesetz fordert. Dies wäre ein Meilenstein für den Tierschutz. Es kann aber auch sein, dass das Gericht der Meinung ist, dass den Brütereien aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugemutet werden kann, die männlichen Küken aufzuziehen. Wir hoffen, dass die Richter ein Urteil im Sinne der Tiere fällen – alles andere wäre ein ethischer Skandal und würde das Staatsziel Tierschutz mit Füßen treten.
Derzeit gibt es zudem verschiedene Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei. Die „SELEGGT-Methode“ (endokrinologische Methode) ist bereits marktreif; seit November 2018 werden in 380 Rewe- und Penny-Märkten die ersten Eier verkauft. Die „SELEGGT-Methode“, mit der anhand des Hormongehaltes auf das Geschlecht geschlossen wird, hat jedoch den Nachteil, dass die Geschlechtsbestimmung und das Aussortieren der männlichen Küken sehr spät erfolgt und zu dem Zeitpunkt ein Schmerzempfinden des Embryos nicht ausgeschlossen werden kann (s. unten). Eine andere Methode, die allerdings noch nicht marktreif ist, ist die spektroskopische Methode, bei deren Anwendung das Schmerzempfinden beim Embyro ausgeschlossen werden kann. Diese Methode muss jedoch erst weiter entwickelt werden, momentan liegt die Fehlerquote – also die Nicht-Erkennung männlicher Eier – noch zu hoch.

Kann das SELEGGT-Verfahren dazu beitragen, das Kükentöten zu stoppen? Welche Stärken und Schwächen hat das SELEGGT-Verfahren?

Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist grundsätzlich eine kurzfristige Möglichkeit, um das Töten bereits geschlüpfter Küken zu verhindern. Die Geschlechtsbestimmung im Ei mit anschließender Vernichtung der Eier, in denen ein männlicher Embryo heranwächst, ist aber nur dann akzeptabel, sofern ein Schmerzempfinden des Embryos sicher ausgeschlossen werden kann. Das ist bei der von Bundesministerin Klöckner viel gepriesenen SELEGGT-Methode nicht der Fall, da die Eier vorab 8 bis 10 Tage bebrütet werden müssen. Es kann jedoch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass ab dem 7. Bruttag bereits ein Schmerzempfinden vorliegt. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt daher jegliche Methode ab, die nach dem 6. Bruttag angewendet wird – somit auch die SELEGGT-Methode.

Welche Alternativen sehen Sie zum SELEGGT-Verfahren?

Eine Alternative ist die spektroskopische Methode, bei der mit einem Laserstrahl ein kleines Loch in die Eierschale gebohrt wird. Mittels Nah-Infrarot-Raman-Spektroskopie kann über die Lichtstreuung der Blutzellen das Geschlecht analysiert werden.
Anders als die SELEGGT-Methode kann die spektroskopische Methode bereits am 4. Bruttag angewandt werden, an dem ein Schmerzempfinden des Embryos noch sicher ausgeschlossen werden kann. Aus unserer Sicht sollten deshalb alle Bemühungen darauf ausgerichtet werden, die spektroskopische Geschlechtererkennung im Ei voranzubringen und diese Methode zügig zur Serienreife zu bringen.

Kampf gegen das Kükentöten: Der Deutsche Tierschutzverbund setzt sich mit Aufklärungsaktionen gegen die umstrittene Praxis ein. © Deutscher Tierschutzbund e.V.

Was kann man als Verbraucher tun, um ein baldiges Ende des Kükentötens zu fördern?

Da die Nachfrage immer auch das Angebot bestimmt, können Verbraucher durch ihr eigenes Konsumverhalten aktiv Einfluss nehmen. Dabei ist der direkteste Weg zu mehr Tierschutz eine vegane Lebensweise. Wer nach wie vor Eier essen möchte, kann sich bewusst für Eier aus der sogenannten Bruderhahnhaltung entscheiden, bei der die Hähne – also die Brüder der Legehennen – für die Fleischproduktion aufgezogen werden. Besser noch ist es, Eier von echten Zweinutzungshühnern zu kaufen. Die entsprechenden Betriebe halten Hühnerrassen, die sich sowohl für die Eier- als auch für Fleischproduktion eignen. Anders als die Hühner der hochgezüchteten Legelinien und Mastlinien legen diese Tiere jedoch etwas weniger Eier und setzen etwas weniger Fleisch an, weshalb sie für die Produzenten weniger rentabel sind. Da die Tiere aber weniger hochgezüchtet sind, sind sie robuster und gesünder. Verbraucher müssen bereit sein, mehr Geld für entsprechende Eier und das Fleisch von Zweinutzungshühnern auszugeben. Tierschutz kostet nun mal Geld.

Bei einigen vegetarischen Fleischersatz-Produkten wird eine hohe Zahl an Eiern verwendet. Eine Rechenbeispiel des Sterns ergibt, dass bei der Produktion von Veggie-Wurst einer bekannten deutschen Marke mehr Tiere sterben als bei der Produktion der herkömmlichen Wurst. Sollten Verbraucher somit von vegetarischen Fleischersatz-Produkten absehen?

Es ist richtig, dass es vegetarische Lebensmittel gibt, die als Wurst- oder Fleischersatz dienen, aber nicht vegan sind, da sie z.B. Eier oder Milch enthalten. Das ist der Kompromiss, den Vegetarier machen. Selbstverständlich sollte die Anzahl der Tiere, die wir Menschen töten, um sie zu essen oder weil wir ihre Produkte (Eier, Milch) essen, so gering wie möglich sein. Am konsequentesten ist daher die vegane Ernährung. Vegane Ersatzprodukte enthalten überhaupt keine tierischen Inhaltstoffe! Wer auf Fleisch verzichtet, aber sich „nur“ vegetarisch ernährt ist jedoch auf dem richtigen Weg. Vegetarier machen sich im allgemeinen Gedanken über den Konsum der tierischen Lebensmittel, die sie zu sich nehmen, versuchen diese in geringen Mengen zu verzehren und/oder achten darauf, dass sie aus ökologischer Haltung stammen. Der Weg vom unkontrollierten und unreflektierten Konsum großer und ungesunder Mengen an Fleisch hin zu einem selbstkritischen Konsumverhalten mit wenig oder gar keinen tierischen Produkten geht bei den meisten Menschen nicht von einem Tag auf den anderen, sondern braucht eine Weile – manchmal Jahre.

Wir bedanken uns herzlich bei Lea Schmitz für das Interview.

Bilder: © Deutscher Tierschutzbund e.V.

Interview mit einer Veganerin

Veganismus🌱

Asya ist überzeugte Veganerin und hält nichts von tierischen Produkten. In unserem Interview erzählt sie von ihrem Weg zum Veganismus und worauf sie alles achtet.

Hast du früher mal Fleisch gegessen?

Ja, ich habe früher mal Fleisch gegessen.

Hast du dich zuvor mal vegetarisch ernährt?

Als ich 14 war, habe ich mich für ca. ein Jahr vegetarisch ernährt. Primär allerdings aus dem Grund, dass meine damalige beste Freundin Vegetarierin war. Ich habe mich somit nicht mit der Thematik auseinandergesetzt, sondern es gemacht, weil sie es halt macht. Viel Unterstützung aus meinem sozialen Umfeld bekam ich auch nicht. Deswegen hielt das Ganze auch leider nur ein Jahr.

Warum hast du deine Ernährung auf vegan umgestellt?

Ich habe meine Ernährung und Lebensweise auf vegan umgestellt, weil ich mich endlich damit auseinandergesetzt habe, was es bedeutet, tierische Produkte zu essen. Für mich stehen insbesondere ethische Gründe im Vordergrund. Ich will nicht zulassen, dass weiterhin fühlende, liebende und denkende Lebewesen ein grauenvolles Leben leben müssen, um zum Schluss umgebracht zu werden. Es sprachen auch gesundheitliche Gründe und Umweltaspekte für mich dafür, eine vegane Lebensweise zu führen. 

Fällt es dir leicht auf tierische Produkte zu verzichten?

In meinen Augen sind tierische Produkte keine Lebensmittel mehr und deswegen ist es für mich auch kein Verzicht. Mir fiel es von Anfang an sehr leicht, mich vegan zu ernähren.

Kostet es mehr oder weniger vegan zu leben?

Die Frage nach den Kosten ist stark davon abhängig, wie man seine Ernährung und Lebensweise führt. Wenn ich keinerlei Ersatzprodukte esse, sondern mich nur von den Grundnahrungsmitteln wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten ernähre, ist es sogar günstiger sich vegan zu ernähren. Leider sind viele der Ersatzprodukte sehr teuer. Integriert man sie in seine Ernährung, ist es ein wenig teurer, sich vegan zu ernähren. Dies muss jeder für sich selbst abwägen. 

Achtest nur beim Essen darauf, vegan zu sein? Oder auch bei Kleidung, Schuhen etc.?

Ich gebe in allen Lebenssituationen darauf acht, vegan zu leben. Für mich ist es widersprüchlich, sich pflanzenbasiert zu ernähren, aber tierische Produkte in Form von Kleidung etc. zu kaufen. So unterstützt man weiterhin aktiv Tierleid. 

Isst du Fleischersatzprodukte?

Ja ich esse Fleischersatzprodukte. Als ich angefangen habe, mich vegan zu ernähren, habe ich keinerlei Ersatzprodukte gegessen. Einfach aus dem Grund, dass ich sie nicht gebraucht habe. Ich würde sagen, dass ich sie auch jetzt nicht zwingend brauche. Allerdings finde ich es so spannend und interessant, was es alles für coole neue Ersatzprodukte gibt und probiere mich deswegen gerne aus. Ich bin immer wieder erstaunt, wie verdammt lecker einige dieser Sachen sind, vor allem wenn es mal schnell gehen muss, ist es super praktisch, darauf zurückgreifen zu können.

Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel zu dir und wenn ja, welche?

Ich nehme ausschließlich Vitamin B12 Tabletten ein. Mehr nicht. Die B12 Tabletten hätte ich wahrscheinlich schon vor einer veganen Lebensweise gebraucht, weil ich deutliche Anzeichen für einen B12 Mangel hatte. 

Wie ist deine Meinung zu Vegetariern?

Meine Meinung zu Vegetariern ist ganz klar. Eine vegetarische Lebensweise verhindert in keiner Weise Tierleid. Die Milch- oder Eierindustrie z.B. sind so grauenvoll und gewaltsam. Eine vegetarische Ernährungsform unterstützt diese Gewalt und die Industrie also weiterhin. 

Wie hat dein Umfeld auf deinen Nahrungsumschwung reagiert?

Mein Umfeld hat überraschend gut darauf reagiert. Klar gab es ein paar blöde Sprüche oder Menschen, die meinen es besser zu wissen und mich belehren zu müssen. Aber mittlerweile stehe ich dadrüber. Ich weiß, dass ich das Richtige mache und bin glücklich damit. Das stimmt die Meisten auch positiv. Für mich ist es das schönste Erlebnis, wenn ich die Menschen um mich herum dazu bringen kann, sich ebenfalls mit der Thematik auseinanderzusetzen. Das hat z.B. meinen Freund ebenfalls zum Veganer gemacht. 

Was ist dein Lieblingsgericht?

Das ist eine knifflige Frage. Zurzeit esse ich gerne so eine Spinatpfanne mit Kichererbsen, Sahne (am liebsten mit Sojasahne) und indischen Gewürzen. Aber ich sag auch nicht nein zu Pizza oder Burgern. 

Europawahl: So stehen die Parteien zum Thema Tierschutz

Tierwohl🐽

Am Sonntag steht mal wieder die Europawahl an. Dazu hat jede Partei bereits ein Wahlprogramm veröffentlicht, jedoch sind diese Wahlprogramme teilweise so lang und unübersichtlich, dass man als Wähler kaum jedes Parteiprogramm durchlesen kann. Um euch genau diese Arbeit zu erleichtern, haben wir uns durch die Wahlprogramme diverser Parteien durchgekämpft und fassen euch die wesentlichen Aussagen zum Thema Tierschutz zusammen.

Im Wahlprogramm der CDU steht unter dem Punkt „Bewahrung der Schöpfung: Unser Europa schützt Klima, Umwelt und Arten“ steht geschrieben: „Unser Europa ist lebenswert. Und das soll auch für unsere Kinder und Enkelkinder so bleiben. Deshalb sind für unser Europa die Bewahrung der Schöpfung, die Erhaltung der Artenvielfalt und damit auch der Kampf gegen den Klimawandel zentrale Anliegen.“ An anderer Stelle werden die stark wachsenden Wolfsbestände in Europa thematisiert: „Wir setzen uns für eine weitergehende Harmonisierung von Tierschutzvorschriften auf EU-Ebene ein. Wir nehmen die Sorgen angesichts der stark wachsenden Wolfsbestände in Deutschland und Europa sehr ernst. Deshalb ist der strenge Schutzstatus des Wolfs im europäischen Naturschutzrecht zu ändern – auch um eine entsprechende Bestandsregulierung zu ermöglichen. Wolfsbestände sind grenzübergreifend und nicht national zu betrachten.“ Zudem wolle man künftig mit der Gemeinsamen Agrarpolitik noch mehr für den Umwelt-, Natur-, Klima- und Tierschutz erreichen.

„Wir wollen frische Luft, fruchtbare Böden, sauberes Wasser, eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt sowie gesunde Lebensmittel– und zwar für die heutige wie für alle zukünftige Generationen. Das ist das Ziel unserer Umweltpolitik.“ So heißt es im Wahlprogramm der SPD. Konkreter heißt es, „Dafür halten wir an unserem Ziel eines eigenständigen EU-Naturschutzfonds fest, damit in europäischen Schutzgebieten Schutz und Pflegemaßnahmen, Artenhilfsprogramme und weitere Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt gefördert werden.“ Mehr Tierschutz in Europa wird versprochen: „Wir wollen eine neue europäische Tierschutz-Strategie erarbeiten und umsetzen. Dazu gehört ein verbesserter Schutz bei Tiertransporten bei einer Begrenzung von maximal acht Stunden Transportzeit – in Europa und in Drittstaaten – sowie ein Verkaufsverbot von Haustieren im Internet.“ Desweiteren spricht man sich für eine klare Kennzeichnung tierischer Produkte aus: „Wir wollen eine EU-weite Herkunfts- und Fütterungskennzeichnung bei tierischen Lebensmitteln, ob unverarbeitet oder verarbeitet.“ Zum Schutz der Meeresumwelt gehören laut SPD in nachhaltiger Aquakultur erzeugte Lebensmittel. Zudem werde der Schutz von Bienen als zentrales Versprechen an die nächste Generation gesehen.

„Wir setzen unsere ganze Kraft dafür ein, den negativen Trend beim Artensterben zu stoppen. Wir wollen eine artenreiche und intakte Natur erhalten und dort wiederherstellen, wo sie bereits Schaden genommen hat.“ So lautet eine der zentralen Aussagen im Wahlprogramm der Grünen. Zur Thematik der wachsenden Wolfsbestände heißt es: „Wir begrüßen die Rückkehr von Luchs und Wolf, den besonderen Schutzstatus dieser Arten wollen wir erhalten. Ein gutes Wolfsmanagement mit Programmen zum Wildtiermonitoring und zur Vermeidung von Mensch-Wildtier-Konflikten werden wir fördern.“ Zudem wolle man Umwelt- und Tierschutzverbände stärken, indem man diesen ein Verbandsklagerecht schafft, mit dem Verstöße gegen Umwelt- und Tierschutzgesetze geahndet werden könnten. Eine artgerechte und flächengebundene Tierhaltung soll gezielt unterstützt werden. Durch das Reduzieren von Pestiziden (allen voran das Verbot von Glyphosat) soll das Insekten- und Vogelsterben gestoppt werden. Weiter heißt es: „Wir wollen hingegen, dass dieEU alle Tiere durch neue Gesetzgebung und ordnungsgemäße Durchführung bestehender Regelungen schützt. Wir wollen den Tierschutz bei Zucht, Haltung, Transport und Schlachtung innerhalb von zehn Jahren durch ordnungsrechtliche Vorgaben erheblich verbessern, sodass Tierhaltung an den Bedürfnissen der Tiere orientiert ist.“ Durch Aufklärungsarbeit und gezielte Angebote solle eine pflanzliche Ernährung gefördert werden. Beim Thema Tiertransporte wird eine Begrenzung auf vier Stunden gefordert. Schlachthöfe sollen durch Videokameras überwacht werden, um Verstöße konsequent ahnden zu können. Zudem wird ein Verbot von betäubungslosen Kastrationen gefordert. Außerdem sollen streunende Katzen und Hunde geschützt werden und Tierversuche in der Kosmetik verboten werden. Schließlich sollen durch eine nachhaltige EU-Fischereipolitik die Fischbestände geschützt werden.

Die Linke setze sich laut Wahlprogramm für verbindliche Tierschutzvorschriften und Kontrollen der Einhaltung auch auf EU-Ebene ein. Dazu wird ein grundsätzliches Verbot von Tierversuchen gefordert. Dafür sollten Alternativen erforscht und gefördert werden. „Wir fordern tiergerechte und ethisch vertretbare Haltungs- und Transportbedingungen für
Nutztiere und die Stärkung regionaler Vermarktungskreisläufe. Die industrielle Tierhaltung muss durch umwelt- und ressourcenschonende Haltungsformen ersetzt werden.“
Zudem setze sich Die Linke für ein EU-weites Tierschutzsiegel ein und für eine einheitliche Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Lebensmitteln im Einzelhandel. Ähnlich wie die Grünen, fordert auch Die Linke ein Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände. Außerdem sollen Tierrechte in einer zukünftigen europäischen Verfassung verankert werden.

„Wir Freie Demokraten stehen für ein Europa des Tierschutzes.“ So heißt es im Wahlprogramm der FDP. Daher fordere man eine kurzfristige Einführung eines verpflichtenden europäischen Tierschutzsiegels ein, welches es den Verbraucherinnen und Verbrauchern einfach und transparent ermöglicht, die an ein tierisches Produkt angelegten Tierschutzstandards zu erkennen. Zudem setze man sich für die mittelfristige Einführung einheitlicher europäischer Tierhaltungsstandards ein. Für die Einhaltung dieser Vorschriften wird eine verstärke europaweite Kontrolle gefordert.

Zu den erhöhten Wolfsbeständen äußert sich die AfD wie folgt: „Die AfD hält Wölfe für eine Tierart, die schlecht in unsere gewachsene Kulturlandschaft passt. Wölfe
sollten räumlich und zahlenmäßig strikt begrenzt werden.“
Tiertransporte sollen auf eine Dauer von sechs Stunden begrenzt werden. Verstöße sollen entsprechend sanktioniert werden. Zudem steht geschrieben: „Die Schlachtung nach religiösen Ritualen ist nur nach ausreichender Betäubung zu gestatten. Die Dauer der Betäubung muss für den gesamten Schlachtvorgang
inklusive Tod durch Verbluten gewährleistet sein.“

Das sind die wesentlichen Aussagen aus den Wahlprogrammen der sechs größten deutschen Parteien. Mehr erfährt ihr selbstverständlich in den jeweiligen Wahlprogrammen.

Mehr als Honig: Das Leiden der jungen Bienen

Natur & Tier🌳

Wir kennen sie alle: unsere lieben, veganen Freunde die auf Fleisch, Fisch und Milchprodukte verzichten. Klar, okay. Aber was spricht denn gegen den leckeren, süßen Honig? Wir klären auf!

Bienen sind ebenso Nutztiere aus der Massentierhaltung wie Kühe, Schweine und Hühner. Da die Lebensmittelindustrie mit den tierischen Erzeugnissen möglichst viel Profit machen will, muss natürlich einer drunter leiden: und das ist in dem Fall die Biene. Die Bienen werden für unseren Wunsch nach Honig verletzt und ausgebeutet. Für die konventionelle Honiggewinnung ist es beispielsweise erlaubt, der Bienenkönigin die Flügel zu stutzen. Der Zweck dahinter ist, dass die Bienenkönigin mitsamt ihrem Schwarm an das „Zuhause“ gebunden ist. Dieses „Zuhause“ ist allerdings kein Bienenstock wie man es vermuten würde. In der Bienenhaltung leben die Bienenvölker unter unnatürlichen Umständen in Magazinen – kastenförmigen Holzhäusern, die ihr sicherlich schon mal gesehen habt. Diese Magazine wurden entwickelt um die Bienen mühelos von Ort zu Ort transportieren zu können.

Zurück zu unserer Bienenkönigin: sie lebt also mit gestutzten Flügeln in einem unnatürlichen Zuhause, erhält als Ersatznahrung meist billiges Zuckerwasser und wartet darauf künstlich befruchtet zu werden. In manchen Ländern wird sie sogar nach einer Saison getötet, um sie mit einer „produktiveren“ Königin zu ersetzen. Und das obwohl sie eine Lebenserwartung von sechs Jahren hätte.

Aber auch die Honigproduktion ist für die Biene ein sehr kraftraubender Prozess . Die Arbeiterbienen fliegen pro Tag etwa 40 Millionen Blüten an, um Pollen und Nektar aufzunehmen. Danach müssen sie dem Nektar das Wasser entziehen und ihm körpereigene Enzyme zufügen, um den Honig in Futter zu verwandeln – klingt anstrengend, ist es auch. Allerdings produziert die Biene den Honig in mühseliger Arbeit nicht zum Spaß, sondern als Ernährung für die kalten Wintermonate und zum Schutz vor möglichen Krankheiten. Das Einsammeln des Honigs durch den Imker ist für die Bienen ebenfalls mit viel Stress verbunden, dabei kann es oft passieren, dass einzelne Bienen zerquetscht, ihre Beine abgetrennt oder sie gar getötet werden.

Anmerkung: Es ist selbstverständlich die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, Honig zu konsumieren. Uns würde brennend interessieren, wie ihr zu dem Thema steht. Esst ihr gerne Honig? Und wenn ja kauft ihr diesen vom Imker nebenan oder vom Supermarkt? Und habt ihr mal Honig-Alternativen probiert?

Btw: Seit kurzem ist der erste vegane-bio Honigersatz: der oHnig® auf dem Markt. Es ist tatsächlich der aller erste vegane Honigersatz. Bislang gab es nur Alternativen wie z.B. Agavensirup, Löwenzahnblütenhonig, Ahornsirup, Birnendicksaft, Kokosblütensirup etc. oHnig wird aus Rübenzucker und Apfelsaft sowie den verschiedenen Blüten hergestellt.

Wir hoffen, dass wir euch über das Tierwohl der fleißigen, kleinen Bestäuber aufklären konnten. Und wir sind natürlich wie immer sehr gespannt auf eure Meinung!

Quellen: https://honig-und-bienen.de/honig-biene-ausbeutung/ , https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/bienen-bienensterben-industrielle-bienenhaltung/ , https://www.bienenjournal.de/aktuelles/meldungen/ohnig-veganer-bluetengeschmack/ , https://www.peta.de/honig

Interview mit einer Vegetarierin

Tierwohl🐽

Luana verzichtet bewusst auf Fisch und Fleisch. Nächstes Ziel der 20-Jährigen ist, die Ernährung auf vegan umzustellen. Wir haben sie interviewt und unter anderem gefragt, woran es denn liegt, dass sie den Absprung zum Veganismus noch nicht gemacht hat.

Wie lange ernährst du dich schon vegetarisch?

Ich ernähre mich jetzt seit 2,5 Jahren vegetarisch.

Hast du bevor du deine Ernährung umgestellt hast, viel Fleisch gegessen?

Vor der Umstellung habe ich schon weniger Fleisch gegessen, war aber als Kind ein riesen Fan von Schnitzel und Fleischwurst.

Warum hast du dich entschieden, vegetarisch zu werden?

Ich habe vor 3 oder 4 Jahren angefangen, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe viele Artikel und Beiträge über die Fleischproduktion, Tierhaltung und eben die vegetarische Ernährung gelesen und mich letztendlich für die Umstellung entschieden. Ich wollte nicht weiter mit dem Gedanken leben, dass Tiere nur wegen meiner Ernährung leiden und sterben müssen.

Was hindert dich daran vegan zu werden?

Das ist momentan ein relativ simpler Grund. Ich wohne noch zuhause und meiner Mutter ist das zu viel Umstellung und Verzicht, da sie sich weder vegan noch vegetarisch ernährt. Der Plan ist es, nach dem Auszug die vegane Ernährung für mich auszuprobieren.

Von was ernährst du dich hauptsächlich?

Von vielen verschiedenen Gemüsearten und Nudeln in allen Varianten. Im Prinzip hat sich meine Ernährungsart durch die Umstellung nicht grundlegend verändert. Ich esse immer noch genauso wie davor, lasse eben nur das Fleisch und den Fisch weg.

Isst du Fleischersatz-Produkte?

Gelegentlich. Anfangs habe ich noch öfter darauf zurückgegriffen, da ich den Geschmack von Fleisch früher mochte. Mittlerweile fehlt es mir nicht mehr, aber ich esse jetzt unglaublich gern Tofu!

Würdest du jemals wieder Fleisch essen?

Nein, ich fühle mich mit der fleischlosen Ernährung unglaublich wohl und fit. Mir fehlt das Fleisch nicht und ich möchte die Produktion auch nicht wieder unterstützen.

Was hältst du von Pescetariern?

Puh…wenn ich ehrlich bin, halte ich nicht viel davon. Klar, sie essen auch kein Fleisch, aber warum weiterhin Fisch? Das sind genauso Tiere, die leiden und getötet werden. Für mich ist das Prinzip nicht ganz schlüssig, aber jeder muss das für sich entscheiden und damit zurechtkommen.

Wie hat dein Umfeld auf den Essensumschwung reagiert?

Meine Mutter hat zu der Zeit schon mitbekommen, dass ich mich mit dem Thema beschäftige und nur darauf gewartet. Begeistert war die Familie nicht, da die Frage über fehlende Nährstoffe im Raum stand. Meine Freunde haben alle sehr positiv reagiert. Mittlerweile kann meine Familie aber auch die Entscheidung nachvollziehen und unterstützt mich dabei auch.

Was ist dein Lieblingsgericht? 

Das ist eine super schwierige Frage! Ich tendiere zu Bowls, mit Glasnudeln als Grundlage und als Toppings Tofu, Brokkoli, Edamame, Spinat und alles was sich noch finden lässt.

Projekt Hühnerhof – Massenzuchtbetrieb vs. Ökobetrieb

Tierwohl🐽

Warum kostet Hühnchenfleisch im Discounter weniger als Produkte aus Konserven oder Tierfutter? Und warum kostet Hühnchenfleisch aus ökologischen Betrieben so viel mehr? Diese Fragen stellte sich der Moderator Dirk Steffens und öffnet seinen eigenen Betrieb – das Projekt Hühnerhof war geboren. Mit Hilfe von Biobauern zieht der Moderator 2015 seinen eigenen Biohühnerhof hoch und kümmert sich um seine Hühner bis zu ihrem letzten Tag.

Hauptargument und auch die einzige Rechtfertigung von Geflügelkonzernen ist, dass Verbraucher am liebsten so billig wie möglich einkaufen wollen. Mal im Vergleich: Fleisch, das von einem Masthähnchen stammt, kostet am Ende 2,13 Euro. Das Fleisch eines Huhnes, das ökologisch aufgezogen wurde ganze 9,66 Euro. Ein riesiger Unterschied. Kein Wunder, dass die Verbraucher lieber zum Masthähnchen greifen. 

Aber warum unterscheiden sich die Kosten so enorm?

In der konventionellen Haltung kostet ein Küken am ersten Tag seiner Geburt mit Brüterei, Stall, Transport, Personal und Energie 36 Cent. Das Öko-Küken schon 1,32 Euro. Vor allem die Fläche, auf der die Küken heranwachsen, kostet Geld. In Massenzuchtbetrieben hat ein Huhn im Schnitt eine Fläche von einem DinA4 Blatt. Klar, dass in solchen Massenzuchtbetrieben locker 82.000 Tiere unterkommen können. Mehr Huhn auf weniger Platz spart Geld. Beim Öko-Betrieb von Dirk-Steffens hatten 2.500 Hühner nicht nur viel mehr Platz, sie hatten zusätzlich auch noch Freigang. Das kostet natürlich viel mehr. 

Masthähnchen werden in großen Industrien in sogenannten „Inkubatoren“ gezüchtet. Pro Tag schlüpfen 700.000 kleine Küken aus ihren Eiern. In Biobrütereien passt die Wochenproduktion gerade mal in einen Kleintransporter. 

Kaum Platz: In Massenzuchtbetrieben hat ein Huhn im Schnitt eine Fläche von einem DinA4 Blatt.

Ein weiterer Unterschied besteht in der Art, wie die Züchter mit ihren Tieren umgehen. Denn diese bauen im Gegensatz zu Kleinbetrieben nicht mal annähernd eine Bindung zu ihren Tieren auf. Es sind ja schließlich nur Nutztiere und keine Haustiere. Wer zu schwach und zu dünn ist, wird aussortiert. Anders ausgedrückt, getötet. Sind sie zu fett, um sich noch bewegen zu können, wird ihnen Schmerzmittel verabreicht, oder sie sterben zwischen den anderen Tieren an Herzversagen. Denn schaut man sich ein Masthuhn und ein Öko-Huhn mal nebeneinander an, fällt schnell auf, das Masthuhn ist fünffach so dick wie das Biohühnchen. Aber so ist das halt. Die Öko-Tiere hingegen werden nicht aussortiert, sie bleiben unter ihren Artgenossen und müssen sich halt durchbeißen. Jedoch ist der Verlust bei den Biohühnern höher, als bei den Massenzuchttieren. Diese nehmen Antibiotika und andere Impfstoffe über das Trinkwasser auf, um Krankheiten zu vermeiden. Sowas gibt’s bei den Öko-Hühnern nicht. Dazu kommt, dass die Masttiere keinen Freigang haben und somit nicht von wilden Tieren, wie Füchsen und Raubvögeln gerissen werden.

Nach 70 Tagen muss Dirk Steffens seinen Hühnern Lebewohl sagen. Von 2.500 Hühnern haben es 98 Prozent geschafft. Von diesen 70 Tagen haben die Masthähnchen höchstens 42 Tage miterlebt. Die Hälfte der Hühner wurden in der sogenannten „Kurzmast“ schon nach 32 Tagen zu Brathähnchen verarbeitet. Der Rest nach 42 Tagen zu anderen Produkten wie Hähnchenschenkel und -flügel in der längeren Mast. 

Mit seinem Projekt wollte Dirk Steffens die Augen der Verbraucher öffnen. Ob’s nur im Moment geklappt hat, oder ob er wirklich was bewirken konnte, weiß man nicht. Aber wer die Bilder aus den Massenzuchtbetrieben gesehen hat, weiß nun zumindest, was das Masthähnchen auf seinem Teller alles erleiden musste. Dennoch sollte man niemanden verurteilen, der nicht das Biohähnchen kauft. Vor allem Großfamilien und Menschen mit wenig Einkommen, können sich ein Brathähnchen für 9,66 Euro leider nicht leisten.

Quelle: „Projekt Hühnerhof“, ZDF, 2015

Bio-Eier vs. Freilandeier. Was ist besser?

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Viele greifen im Supermarkt zu den Bio-Eiern, weil sie hoffen, etwas Gutes zu tun. Aber sind Bio-Eier wirklich immer die beste Wahl?

Bio-Eier gelten in Supermärkte als höchste Qualitätsstufe und sind damit auch am teuersten. Gekennzeichnet sind diese mit der Nummerierung „0“. Freilandeier stehen auf der Skala direkt dahinter mit der Kennzeichnung „1“. Bio-Eier werden am tierfreundlichsten und damit auch am gesündesten für den Menschen produziert. Wer im Supermarkt seine Eier kauft, greift also tatsächlich am besten zu den Bio-Eiern.

Auf Wochenmärkten und in Privatbetrieben sieht die Lage jedoch anders aus. Dort finden sich Bio-Eier recht selten, dort werden Eier aus Freilandhaltung angeboten.

Aber was ist denn nun besser?

Laut Richtlinie besteht der Unterschied zwischen Bio und Freiland im Futter. Während das Futter bei Bio-Eier aus ökologischem Anbau stammen muss, ist es bei Freilandeiern nicht vorgegeben. Jedoch kann man bei Kleinbetrieben davon ausgehen, dass sie das Futter für ihre Hühner entweder selbst anbauen, oder zumindest aus der engeren Umgebung besorgen. Denn das zertifizierte Bio-Futter zu kaufen ist teurer, als die Wiese hinterm Haus zu benutzen. Jedoch kostet es ebenfalls Geld, das eigene Futter als „garantiert ökologisch“ zertifizieren zu lassen. Das von der Industrie festgelegte System, mit seinen Richtlinien und Klassifizierungen ist für kleine Produzenten also ein absoluter Nachteil. Und so sind die Eier von glücklichen Hühnern mit viel Auslauf und dem besten Futter laut Industrienorm „schlechter“ als die Bio-Eier, deren Erzeuger in riesigen Stallanlagen hausen, kaum Tageslicht sehen und Bio-Futter aus der ganzen Welt bekommen. Bio bedeutet nämlich nicht Freilauf und viel Platz. Bio-Legehennen sind nicht immer die glücklichen, dicken Hennen aus der Werbung. Oft fehlen den Hennen ihr Gefieder, sie sehen krank und abgemagert aus, weil sie eingeklemmt zwischen anderen Hühnern leben müssen und ein Ei nach dem nächsten produzieren müssen.

Umstritten: Bio-Eier genießen weiterhin einen besseren Ruf als Freilandeier.

Wer jetzt aber nur noch zu den Freilandeiern vom Hofladen um die Ecke greift, sollte sich vorher nochmal vergewissern, dass die Besitzer ihre Hühner auch wirklich tiergerecht halten und auch das einhalten, was sie versprechen. Ansonsten ist im Supermarkt der Griff zu den Bio-Eiern immer noch das Beste.

Quellen: utopia.de, urgeschmack.de

Die Bienen sterben massenhaft – aber warum eigentlich?

Natur & Tier🌳

Wie sehr wir Menschen von den Bienen abhängig sind ist eindeutig. Bienen sind nicht nur schöne Lebewesen, die uns mit Honig versorgen, sie haben auch eine sehr wichtige Aufgabe für unser Ökosystem. Sie sind nämlich in erheblichem Maße für den Erhalt und die Fortpflanzung der Pflanzenwelt verantwortlich. Die fleißigen Bienen bestäuben circa 80 Prozent der Wild- und Nutzpflanzen laut Deutschem Imkerbund, aber auch Schwebfliegen, Käfer und spezielle Schmetterlinge leisten ihren Beitrag. Schon im Kindergarten lernen wir, dass Blumen Bienen brauchen um sich fortzupflanzen und Bienen brauchen Blumen um Nahrung zu sammeln. Doch leider ist vielen Menschen die Bedeutung der Bienen für unsere Gesellschaft nicht bewusst, wir denken nur an den Honig den wir überall beliebig einkaufen können.

Wir fragen uns, was genau die sind die Ursachen für das massenhafte Bienensterben?

  • die Varroa-Milbe: Seit Jahrzehnten kämpfen Forscher erfolglos gegen die Varroa-Milbe. Sie ist einer der Hauptgründe für den weltweit schlechten Gesundheitszustand der Honigbienen. Der Parasit nährt sich am „Fettkörper“ der Biene, das ist ein Organ vergleichbar mit der Leber. Der Fettkörper speichert die Nahrung, stärkt das Immunsystem und sorgt für die Entgiftung des Organismus.
  • Der Klimawandel: Im Winter kriechen die Bienen tief in den Bienenstock und drängen sich dicht aneinander um Wärme zu erzeugen. Sogar Außentemperaturen von minus 60 Gras Celsius können sie durch diese Methodik überleben. Doch steigt die Außentemperatur löst sich diese „Wintertraube“ der Bienen auf. Der Biologe Daniel Michelberger von der Universität Würzburg stellte fest, dass sich das Fehlen von konstant kalter Winterperioden sehr negativ auf die Bienen auswirkt. Sie bauen die Wintertraube nämlich immer wieder auf und ab, was sehr großen Stress für die Bienen bedeutet und nicht selten zum „Totenfall“ führt. Der Klimawandel verschiebt zudem die Zeiten, an denen Nahrungspflanzen der Bienen blühen. Aber auch die Zeiten, in denen die Bienen ihre Winterruhe halten verschiebt sich zunehmend. Folglich findet die Biene keine Nahrung und kann sich nicht vermehren.
  • Glyphosat und Pestizide: Beim Einsatz von Pestiziden machen die Tiere weniger Sammelflüge, verlieren die Orientierung und brauchen länger für die Rückkehr zum Bienenstock. Es genügen schon kleine Mengen an Pestiziden um sich auf das Nervensystem auszuwirken. Was besonders interessant ist, ist dass Bienen die belasteten Pflanzen nicht meiden, sondern sogar bevorzugt ansteuern – quasi eine Wirkung wie Nikotin auf den Menschen hat. Dies fanden Forschen aus Großbritannien und Irland heraus. Der Herbizidwirkstoff Glyphosat ist ebenfalls eine Gefahr für die Bienen. Wissenschaftler der Universität von Texas fanden heraus: der Stoff Glyphosat ändert die Darmflora und macht die Tiere anfälliger für Infektionen.
  • Monotone Agrarlandschaften: In unserem Landbau gibt es kaum noch Raum für wild wachsende Pflanzen. In den monotonen Agrarlandschaften ohne Kräuter, Hecken und Blühpflanzen finden die Bienen keine Nahrung. Auch durch häufiges Mähen von Wiesen fehlt ein kontinuierliches Blütenangebot für Insekten und daraus resultiert ein Mangel an Nistplätzen. Gerade im konventionellen Getreideanbau blüht überhaupt nichts.

Wir wollen von euch wissen: Was ist eure Meinung über Bienen und das Bienensterben generell? Findet ihr Bienen sind schützenswerte Wesen, die man mit Respekt behandeln sollte oder stören euch die fliegenden Summer beim Eis essen? Kommentiert gerne mal!